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Archive für 8.2.2010
Esskultur à la Toscana
8.2.2010 by scrittore.
Quirliges Leben erfüllte die Terrasse, während wir uns zu unserem Tisch durchschlängelten.
Mario hatte nicht zu viel versprochen, der Platz war fantastisch.
„Ich geh mal kurz hinein und kündige uns an“ sagte Mario und verschwand im Restaurant.
Hannes schnappte sich sofort ein Stück Weißbrot, beträufelte es mit Olivenöl und streute Salz darüber und knabberte genüsslich daran.
„Stopf dich nicht gleich mit den Vorspeisen voll“ lachte Benedetta, „es gibt noch einige Gänge. Mario und Giancarlo haben das Menü schon ausgesucht. Lasst euch einfach verwöhnen und esst, was euch schmeckt. Übrigens ihr seid eingeladen. Wir feiern unser Glück.“
Sie strich sich über ihren Bauch. Eva schaute mich mit einem sehnsuchtsvollen Lächeln an und seufzte.
Giancarlo war im Gegensatz zu Mario kräftig und untersetzt, dazu hatte er seine pechschwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Er zog sich einen Stuhl heran, doch bevor er sich setzte, begrüßte er seine Schwägerin, sowie Eva und Maria mit Küsschen. Für uns Männer hatte er eine herzliche Umarmung parat.
„Ich hoffe, ihr seid mit meiner Wahl einverstanden.“
Ein Kellner stand schon mit einer großen Platte Antipasti bereit, die er nach einem Wink Giancarlos kredenzte. Dann brachte ein anderer dienstbarer Geist einen Sektkühler mit zwei Flaschen Vernaccia.
Giancarlo schenkte höchstpersönlich aus, dann verabschiedete er sich mit einem „Bon appetito“ von uns.
Die Antipasti waren köstlich und der Wein einfach delikat. Ich fütterte Eva mit Artischockenherzen und gegrillter Zucchini. Mir schmeckten am besten die ebenfalls gegrillten Auberginen und die mit Käse gefüllten Peperoni. Giancarlo hatte nicht am Knoblauch gespart.
Maria war begeistert von den Austernpilzen, die mit Paprika und Knoblauch angegrillt waren, während Hannes mit Behagen die mit Mandeln und Knoblauch gefüllten Oliven verputzte.
Schon standen wieder zwei Kellner mit großen Pastaschüsseln vor uns, die Antipasteplatte verschwand zu Hannes Leidwesen, doch der Anblick der Pasta versöhnte ihn schnell wieder.
Giancarlo hatte eine köstliche Soße komponiert. Ich roch Rosmarin und Thymian heraus, dazu eine dezente Knoblauchnote und natürlich das volle Aroma sonnenreifer Tomaten. Mario warnte uns „Die Soße ist scharf, L`arrabiata ist gar nichts dagegen. Seid vorsichtig, sonst verbrennt ihr euch die Kehlen.“
Er füllte unsere Teller und mischte die Pasta mit der Soße. „Bon appetito, lasst es euch schmecken.“
Die Kellner hatten uns unterdessen einen Rotwein gebracht, einen Col d`Orcia Rosso di Montalcino.
„Der wird euch schmecken. Wir kennen den Erzeuger. Leider darf ich nicht mit euch trinken. Das fällt mir schon schwer, dürft ihr mir glauben. Aber ich will die Kleinen keinem Risiko aussetzen.“ Bedauernd lächelte Benedetta und trank einen kleinen Schluck Mineralwasser.
Benedetta hatte Recht. Ein schöner Rosso mit guter Frucht und vom Eichenholz geprägtem Bukett. Feine Vanillearomen und saftige Frucht nach roten Früchten verwöhnten unsere Gaumen. Der Col d`Orcia war wirklich phänomenal.
Ich hatte, außer vielleicht in Marios Restaurant in Wien, noch nie eine so hervorragende Pasta gegessen. Zugegeben, die Soße war recht scharf, aber köstlich in ihren ausgeprägten Aromen.
Und Mario sagte feierlich „Als der liebe Gott die Welt erschaffen hat, hat er den Menschen mit der toskanischen Küche ein großes Geschenk gemacht.“
Hannes wollte sich schon Nachschlag holen, aber Mario hielt ihn am Arm.
„Warte Hannes, es wäre schade, wenn du den Hauptgang nicht mehr schaffen würdest. Es geht gleich weiter.“ Maria stieß Hannes an und tippte lachend auf seinen Bauch. Schuldbewusst senkte er den Kopf, dann grinste er aber und gab seiner Maria einen Kuss.
„Du schmeckst schon ganz schön nach Knoblauch mein Lieber. Sei froh, dass ich auch eine volle Ladung davon erwischt habe.“
Prüfend schnupperte ich jetzt an Eva, sie gab mir dafür einen leichten Nasenstüber.
Schon wieder kamen die Kellner um die Schüsseln und Teller abzuräumen.
„So lasst euch überraschen. Es gibt toskanische Spezialitäten, die Bistecca Inglese, das ist ein Steak von Maremmarindern, welches mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft gewürzt und auf dem Holzkohlegrill gegrillt wird. Dann gibt es Involtini, leckere Kalbfleischröllchen. Ihr müsst auch mal die Kaninchenrückenfilets probieren und den Wildschweinbraten.
Lecker sind auch die Involtino di Pollo al Miele e Balsamico (Gefüllte Hähnchenbrust mit einer Honig-Balsamico-Soße). Aber lasst euch noch Platz im Magen für die Nachspeisen und das Dessert.“
„Ich denke das Dessert gibt es erst zuhause?“ Dabei lächelte Eva mich an. Ich legte meine Hand auf ihren Schenkel und streichelte Eva ganz sachte.
Als die Kellner mit dem auftragen fertig waren, bog sich die Tischplatte beinahe unter den Köstlichkeiten. Ob dafür noch Platz in unseren Mägen war?
Tapfer genossen wir die Köstlichkeiten. Wir gaben uns den Genüssen der toskanischen Küche voller Wonne hin. Es war ein beinahe erotisches Gefühl dabei.
Mario hatte neuen Wein geordert.
„Das ist ein Tenuta Belguardo. Die Tenuta Belguardo liegt in Montebottigli in der Gemeinde Grosseto und stammt aus Reben, die in eindeutigen Süd- und Südwestlagen immens der heißen Sonne der Küstentoskana ausgesetzt sind. Sie werden ausschließlich von Hand gelesen. Ihr werdet sehen, so ein Juwel habt ihr noch nicht getrunken.“
Wir konnten ihm nur zustimmen, nachdem wir den Wein gekostet hatten.
„Mag einer von euch noch Dolce?“ Wollte Benedetta wissen. Wir schüttelten einhellig unsere Köpfe.
„Dann gibt es zum Abschluss noch eine Käseplatte“ lachte sie.
Ein Kellner brachte uns zum Käse kleine Gläser und stellte eine Flasche Vin Santo, einen gehaltvollen Dessertwein auf den Tisch.
Der Wein glitt wie Öl die Kehle herunter. Wir waren überaus gut gesättigt, einfach satt, mit einem wohligen Gefühl im Bauch. Der Wein hatte uns die Zungen gelöst und wir alberten ein wenig herum.
Geschrieben in Kulinarisches, Geschichten | Drucken | Keine Kommentare »