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Kleine Neisse Radtour Teil 3
Tag 5 in Görlitz
Hier in Görlitz wird die mitteleuropäische Zeit bestimmt, denn der 15. Längengrad führt unmittelbar durch die Stadt.
Heute mal ganz ohne Fahrrad, denn Görlitz muß man zu Fuß erkunden. Görlitz nicht zu Unrecht die Perle Niederschlesiens genannt, bietet dem Auge sehr viel.
In den letzten Jahren ist mit gewaltigem Aufwand die Altstadt saniert worden. Dazu beigetragen hat mit Sicherheit ein anonymer Gönner, der der Stadt mit dieser Maßgabe Jahr für Jahr 500.000 Euro spendet. Er möchte ungenannt bleiben.
Görlitz wurde schon 1071 das erste Mal erwähnt. Während der Habsburger Herrschaft erfolgte die Gründung des Sechsstädtebundes als Bündnis gegen den Adel.
Unser Spaziergang führte vom Bahnhof durch die Einkaufsstraße Berliner Straße zum Postplatz und weiterhin zum Demianiplatz. Hier steht Deutschlands einzig original erhaltene Jugendstilkaufhaus mit beeindruckender Innentreppe und seiner riesigen Glaskuppel über dem Lichthof.
Gleich nebenan am Marienplatz steht der Dicke Turm, ein Rest der alten Stadtbefestigung mit bis zu fünf meter dicken Mauern. Unmittelbar angrenzend findet der tägliche Markt statt.
Weiter geht es zum Obermarkt mit einer Anzahl erhaltengebliebener bzw. restaurierter Barockhäuser. Interessant das Napoleonhaus, der von hier aus eine Truppenparade beaufsichtigte.
Durch die Brüderstraße mit ihren Renaissance- und Barockhäusern geht es zum Untermarkt. Im Sommer finden hier Freilufttheateraufführungen statt. Das imposante Rathaus, die Münze, die Ratsapotheke, sowie eine Reihe reichgestalteter Bürgerhäuser beherrschen den Platz. Durch die schmale abschüssige Neißstraße geht es hinunter zur Neisse. Eine Anzahl von Kneipen und Gaststätten, z. Tl. mit kleinen lauschigen Biergärten findet man hier.
Die Vierradenmühle an der Neisse ist heute eine vielbesuchte Terrassenwirtschaft direkt am Ufer. Über die Brücke geht es in die polnische Nachbarstadt Zgorzelec. Über einen steilen Weg erreichen wir die Peterskirche direkt oberhalb der Vierradenmühle.
Sehenswert sind auch die Ochsenbastei am Neißeufer mit ihren teils barocken Gartenanlagen.
Der Tag klang mit dem Besuch einer kleinen Kneipe an der Neißstraße aus.
Tag 6 Görlitz – Rothenburg
Der Radweg verläuft weiterhin entlang der Neisse durch reizvolle Auen. Wir machen Pause in kleinen Landgasthäusern und verweilen am Flussufer. Zum Baden ist die Neiße zu flach, aber man kann gut die Füße und andere strapazierte Köperteile abkühlen. Der Blick geht weit hinein nach Polen. Ein Abstecher zur Kulturinsel Einsiedel ist zu empfehlen. Nach gut 30 Kilometern erreichen wir Rothenburg, die östlichste Kleinstadt Deutschlands. Eine orthopädische Klinik und den östlichsten Verkehrslandeplatz Deutschlands gibt es hier. Die Stadt ist malerisch und klein.
Wir befinden uns hier am Rande des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.
Wir übernachten in einem kleinen Gasthaus am Ortsrand Rothenburgs.
Tag 7 Rothenburg – Bad Muskau
Noch einmal ca. 40 km stehen uns bevor, denn wir machen unterwegs einen Abstecher in die Muskauer Heide. Der ehemalige Truppenübungsplatz der Roten Armee ist nahezu unberührt und dafür berüchtigt, dass aus Polen eingewanderte Wolfsrudel hier ihre neue Heimat gefunden haben. Wir brauchen etwas länger, denn die Wege sind zum Teil doch recht sandig. Das Vorwärtskommen wird dadurch etwas erschwert. Doch die Landschaft ist wirklich sehenswert. Zum Glück hat auch kein hungriger Wolf Appetit auf stramme Radlerwadln gezeigt. Es war doch ein seltsames Gefühl in der Magengegend. Den Rest des Weges legen wir wieder ohne Nervenkitzel am Ufer der Neiße zurück. Am frühen Abend erreichen wir Bad Muskau. Heute ist unser vorletzter Tag, doch Morgen ist der Höhepunkt mit dem Besuch des weitläufigen Parks und Weltkulturerbes.
Wir sind rechtschaffen müde und lassen den Tag bei einem Glas Wein im Garten unseres Quartiers ausklingen.