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Archive für 10.9.2008

Geistig Moralische Wende - Die Auswirkungen

Die „Geistig – Moralische Wende“

Es ist an der Zeit, eines Ereignisses zu gedenken, das vor etwa 25 Jahren begann und uns und unser Leben noch heute stark mitbestimmt.

In der Endphase der Sozialliberalen Koalition trat ein gewisser Politiker, namens Helmut Kohl, zur Bundestagswahl als Kandidat der Union an. Niemand, am allerwenigsten seine ‚Parteifreunde’, traute dem Pfälzer Provinzfürsten zu, dass ihm die Schuhe Konrad Adenauers passen könnten. Trotzdem hat er sechzehn Jahre seinen Schatten über unser Land gelegt.

Historiker meinen, er wäre ein recht mittelmäßiger Kanzler gewesen, hätte er nicht die Chance der Vereinigung beider deutscher Staaten tatkräftig genutzt.

Er prägte damals einen Begriff, dessen Folgen wir bis heute spüren können.

‚Deutschland braucht eine geistig moralische Wende’, das sollte für viele Unionisten so etwas wie ein Exorzismus sein, der allemal Sozigedankengut aus den deutschen Köpfen und Herzen vertreiben würde.

Deutschland hatte eine Phase der Erneuerung, der Gedankenbefreiung hinter sich. Tore wurden aufgestoßen, der geistige Mief der Adenauerära, der wie eine dumpfe Wolke über unserem Land lag, war vertrieben. Willy Brandt hatte die neue Ostpolitik angestoßen, gegen den erbitterten Widerstand der Union übrigens. Die Abkommen mit Warschau und Moskau unterschrieben, den historischen Kniefall in Polen geleistet. Deutschland erlebte eine sexuelle Befreiung (wer von den älteren erinnert sich nicht noch an die Aufklärungsfilme von Oswald Kolle?). All das war auf-(rechten) Unionschristen suspekt und zuwider.

Nun also die geistig-moralische Wende.

Was hat sich seitdem verändert?

Das Klima zwischen den Tarifparteien wurde rauer und unversöhnlicher. Immer mehr Unternehmer, Manager vor allem, drehten an den Daumenschrauben, versuchten Errungenschaften zurückzunehmen. War bisher die Republik in dieser Hinsicht eher eine Hort der Glückseligen, wurde das Klima schlechter. Zugegeben auch unter Sozialliberalen Regierungen gab es Streiks. Einer führte sogar mit zum Rücktritt Willy Brandts.

Die deutsche Wirtschaftsblüte war nicht zuletzt darauf zurückzuführen, das hierzulande eben in der Regel Konsens zwischen den Tarifpartnern herrschte. Ganz im Gegensatz zu unseren Nachbarn, wie Frankreich, Italien, Großbritannien, deren Wirtschaften immer wieder von schweren Streiks erschüttert wurden.

Deutsche Manager vergaßen die Passage des Grundgesetzes, wonach Eigentum verpflichtet und auch der Allgemeinheit zugute kommen solle. Stattdessen hieß es plötzlich nur noch `shareholder value’. Strukturen wurden zerstört, Mitarbeiter freigestellt (eine vornehme Bezeichnung für gefeuert). Daumenschrauben sollten die Arbeitnehmer zum Verzicht auf Freizeit, Weihnachts- und Urlaubsgeld zwingen, andererseits würde eben der Betrieb ausgelagert, sprich in Billiglohnländer verlegt. Ob die kurzsichtigen Manager bedenken, das sich ein Arbeitsloser, dann kaum noch ihre Produkte leisten könnte? Trotzdem gingen ganze Betriebe, nicht zuletzt dank des Versagens des Managements, den Bach runter. Nicht umsonst kam damals der Satz von den ‚Nieten in Nadelstreifen’ auf.

Ein Arbeitnehmer fliegt, wenn er seine erwartete Leistung nicht bringt. Ein Manager bekommt den goldenen Handschlag. Arbeitnehmer werden zum Verzicht auf vertraglich festgelegte Leistungen gezwungen, Manager erhalten exorbitante Gehaltszuschläge.

Eine Welle von Skandalen erschütterte die Kohl`sche Republik. Ich nenne nur Flickaffäre, der Leunaskandal, die Schreiberaffäre um den Straußsohn Max, die große Spendenaffäre der Union. Unbestritten ist, Politiker haben die Hand aufgehalten, haben sich schmieren lassen. Nur wenige mussten sich dafür rechtfertigen, ein ehemaliger Innenminister steht noch vor Gericht, andere profitieren vom Drei Affen Prinzip, nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Herr Kohl schweigt immer noch zu seinen Großspendern. Journalisten meinen, er könne, wenn nicht um Kopf und Kragen, so doch um seine Reputation fürchten, so er aussagen würde. Omerta? Korruption ist in Deutschland zu weit verbreitet. Sind wir auf dem Wege zu einer Bananenrepublik?

Einer unserer großen Literaten fand dafür ein passendes Bonmot ‚Erst kommt das Fressen, dann die Moral`.

Eine ähnliche Entwicklung können wir im geistigen Bereich verfolgen.

Die Ära Kohl öffnete dem Privatfernsehen den Raum. Was zuerst wie eine ersehnte Konkurrenz zum damals verpönten ‚Schnarchfunk’ der öffentlich-rechtlichen Programme erschien, entpuppte sich später als ‚Gehirnwäsche’ für breite Teile der Bevölkerung. Das Niveau dieser Sender sank auf einer nach unten offenen Skala der Peinlichkeiten stetig. Natürlich gibt es auch vernünftige Sendungen in diesen Programmfabriken. Aber ein immer weiter wachsender Anteil der Fernsehzuschauer delektierte sich an krawalligen Talkshows, unsäglichen Gerichtserien, seichten Telenovelas, prolligen Auftritten sogenannter Comedians, und was es da sonst noch gibt. Das geistige Niveau sank von Tag zu Tag. Der Zuseher berieselte sich immer längere Stunden damit, kein Wunder, in dieser Zeit stieg die Zahl der unfreiwillig Arbeitslosen immer weiter. Aber auch die Kinder wurden von zur Erziehung unwilligen oder unfähigen Eltern Bequemerweise vor die Flimmerkiste entsorgt. Bald stellten Experten fest, Deutschland ist auf dem Wege der Verblödung. Was dann die ‚Pisastudien’ auch bestätigten.

Das Dilemma ist, an der Ausbildung wird allerorten gespart. Firmen scheuen die Ausbildung, obwohl es schon heute einen Facharbeitermangel gibt. Aber nicht nur hier fehlen notwendige Visionen, auch in der Politik wird viel zu sehr von der Hand in den Mund gelebt.

Fünfundzwanzig Jahre geistig-moralische Wende haben uns nichts gutes gebracht. Nein, im Gegenteil, das Klima zwischen den Tarifparteien ist nachhaltig gestört, in vielen Köpfen herrscht geistige Leere, was vom Krawalljournalismus der Boulevardpresse nachhaltig unterstützt wird, jungen Leuten fehlt eine Lebensperspektive, Alte fürchten um ihre Rente, ihren geruhsamen Lebensabend, wenig erfreuliches also.

Wäre es da nicht an der Zeit für eine geistig-moralische Wende in unseren Köpfen, in unserem Lande?

Bier muss Bier bleiben

Bier muß Bier bleiben
 
Das Nürnberger Volksfest hat angefangen, der OB hat das erste Fass angestochen. Das in dem Fass Bier drin ist, ist eh klar. Aber was für ein Bier?
Wo es doch seit geraumer Zeit die aberwitzigsten Geschmacks (verirrungen) äh -sorten gibt. Womöglich quillt aus dem Zapfhahn Chillout-Mango Bier, oder Red Bull Weizen alkoholfrei? Man wird doch noch fragen dürfen.
Jeder Marketingnovize braut sein eigenes Lifestyleszenebier… und wir sollen es trinken. Also ehrlich gesagt mir graust es davor. Ich warte auf den Tag, wo uns Instant Bier (vulgo Nés Bier) verabreicht wird, abgefüllt in kleine Portionsbeutel (ich denk da an die Frigeobrause meiner Jugendzeit), in Tüten oder Gläser wie beim Instantkaffee. Man könnte den ganzen Wochenbedarf in einer kleinen Einkaufstasche nach Hause tragen. Bei Bedarf fülle ich einen Maßkrug mit kaltem Wasser, rühre die entsprechende Portionspackung ein, und voilá ein kaltes schäumendes Bier steht vor mir.
Eine schaurige Vorstellung, nicht war?
Zum Glück gibt es hier im schönen Middlfranngn noch jede Menge kleine, bodenständige Brauereien, die ein ehrliches Bier brauen und diesen ganzen Schnickschnack (noch) nicht nötig haben.

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