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Ausschnitt aus Bella Venezia
Dieser Eintrag stammt von scrittore Am 20.6.2008 @ 08:59 In Dies und das | Keine Kommentare
Wir bogen um eine Ecke, überquerten eine kleine Brücke und standen am Anfang einer engen dunklen Gasse. Etwa zwanzig Meter weiter in der Gasse leuchtete ein Schild, Trattoria Gallo Nero, zum Schwarzen Hahn also. Sehr appetitanregende Düfte wehten uns entgegen und zogen uns magisch vorwärts. Es war eine winzige Trattoria, nur fünf oder sechs Tische, an denen ganze Familien tafelten, und in einer Ecke in einer Nische, ein Tisch für vier Personen. Eine korpulente ältere Frau lächelte uns breit an, gestikulierend und unter ständigen Redefluss lotste sie uns zum Tisch. Blitzschnell war eine weiße Tischdecke übergeworfen und stand eine Vase mit Blumen auf dem Tisch. Sie legte uns jedem eine handgeschriebene Karte vor, auf der nur drei Gerichte standen. Wir bestellten eine Literkaraffe mit Rotwein, dazu stellte sie uns einen Korb mit Weißbrotscheiben und kleine Tellerchen, sowie ein Fläschchen Öl und etwas Salz auf den Tisch. “Habt ihr so was schon mal gegessen?” meinte Maria,”wartet, ich zeig euch, wie das geht.”Sie nahm eine Weißbrotscheibe, tropfte etwas Öl darauf und streute dann Salz darüber. “Probiert mal, das ist einfach köstlich.” sagte Maria dann auffordernd und Hannes anstupsend. Vorsichtig probierten wir die Weißbrotscheiben, und es schmeckte uns ausgezeichnet.Der Rotwein war ebenfalls süffig und trank sich ausgezeichnet.Die Signora des Hauses kam mit einem strahlenden Lächeln auf uns zu, als sie sah, wie gut es uns schmeckte. “Mi chiamo Maria, e lei?” verstand ich. Ich kramte meine Italienischkenntnisse zusammen und verstand, dass sie sich vorstellte.“Mi chiamo Peter, la mia ragazza chiama Eva, la signora a la destra chiama anche Maria, e lui che Hannes,” brachte ich mühsam zusammen.Wort- und gestenreich empfahl sie uns ein Menü. Nachdem wir genickt hatten, rief sie in einem wahren Wortschwall und in einer Schnelligkeit quer durch das Lokal zur Küche hinüber.Dann setzte sie sich zu uns, stieß mit einem Glas Wasser mit uns an und strahlte über das ganze Gesicht. Mit Händen und Füßen brachten wir ein Gespräch in Gang. Gott sei Dank verstand sie ein paar Brocken deutsch. Wir kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus, während wir uns unterhielten.Wir verstanden soviel, das sie schon dreißig Jahre verheiratet war, fünf Kinder hatte, die alle im Lokal mithalfen, das ihr Mann tagsüber in einer Fabrik in Mestre auf dem Festland arbeitete und das selten Touristen bei ihr einkehrten, weil das Lokal so abgelegen war. Da kam auch schon das Essen. Ihr ältester Sohn, schwarzes lockiges Haar, dunkelbraune Augen, mittelgroß mit schwarzer Hose, weißem Hemd und einer schwarzen Weste bekleidet, servierte eine große Platte mit den verschiedensten Vorspeisen. Ich sah Schinken mit Melone, kleine gebratene Gemüsestückchen, Sardellen, Pastetchen und vieles andere mehr.Sie wünschte uns ein “Bon apetito” und rauschte wieder in Richtung Küche.“Ist das alles?” wollte Hannes wissen.“Das sind die Antipasti, die Vorspeisen, du verfressener Kerl.” grinste Maria und boxte ihn mit ihrem Ellenbogen in die Seite.“Aua” maulte Hannes.“Nix cultura, alter Banause” musste auch ich meinen Senf dazu geben.Blitzschnell hatte sich Eva eine Sardelle geschnappt, die ich mir gerade nehmen wollte.“Ja, wenn ihr nur quasselt, habt ihr Pech gehabt” grinste sie. Dann erbarmte sie sich aber und schob mir ein Stück von der Sardelle zwischen meine Lippen.Kaum hatte Hannes sich das letzte Stück vom Teller geschnappt, trug Michele, so hieß ihr Sohn, den nächsten Gang auf. Eine Platte mit einem Berg Nudeln, dazu eine Schüssel mit einer verführerisch duftenden Soße und einen Behälter mit Parmesankäse.Wir bedienten uns kräftig, mischten die Soße unter die Nudeln und bestreuten das ganze reichlich mit Parmesankäse. Eine Weile hörte man nur die Geräusche vom Essen, wir waren zu beschäftigt zum reden.“Vogliono un altro litro di vino?” fragte eine zierliches hübsches, etwa achtzehnjähriges Mädchen mit langen schwarzen Haaren schüchtern, denn unsere Karaffe war beinahe leer.“Schafft ihr noch was?” grinste Hannes und nickte Paola, denn so hieß das Mädchen, zu.Plötzlich bekamen wir große Augen. Michele und Enzo, der zweite jüngere Sohn trugen mehrere Platten mit kross gebratenem Fleisch, mit gebratener Leber, Geflügelstückchen, verschiedenen Gemüsen und frittierten Kartoffeln auf.“Wer soll das denn essen?” stöhnte Maria. “Ich schaff das schon” prahlte Hannes und ich nickte zustimmend.“Ja und nachher seid ihr müde und schlaft einfach mit euren vollen Mägen ein” protestierten unsere beiden Frauen. “Ganz falsch, Mäusle, wir müssen uns nur für nachher stärken” grinste ich dann meine Liebste an.“Na da bin ich aber gespannt, wehe du schläfst ein” kam postwendend ihre Antwort.Wir vertilgten unser Essen jetzt schon etwas langsamer, machten mehrfach kurze Pausen zwischendurch, und spülten mit dem süffigen roten Wein nach.Da kam unsere Wirtin auch schon wieder, kaum hatten wir uns zurückgelehnt. Wir versuchten alle ihr klar zu machen, dass es wunderbar geschmeckt hatte, nur das die Portionen ein wenig zu groß gewesen seien. Beinahe enttäuscht und etwas vorwurfsvoll schaute sie uns an, als wir Kuchen und Eis protestierend und auf unsere Bäuche deutend, ablehnten. Schließlich einigten wir uns auf Capuccino und Espresso, sowie einen, aber kleinen, Grappa. “Wenn ich jeden Tag soviel essen müsste, würde ich auch bald so ausschauen wie unsere Wirtin” kicherte Eva, “würdest du mich dann auch noch lieb haben Peterl” schaute sie mich dann mit einem etwas fragenden Blick an.“Ich liebe jedes Pfund an dir, mein Engel” antwortete ich augenzwinkernd nach kurzem Zögern und wurde dafür mit einem herzhaften Kuss belohnt.Auf meinen Wink hin, legte Paola die Rechnung auf einen Unterteller. Ich rechnete mehrfach nach, aber der Betrag wurde nicht größer, umgerechnet keine dreihundert Schilling, für vier Personen. Da musste sie sich vertan haben, ich winkte unserer Wirtin und deutete auf die Rechnung.Nach vielem Hin und Her machte sie uns begreiflich, das die Rechnung schon so stimmte, wir seien Freunde das schönste für sie sei, das es uns so gut geschmeckt hatte. Zum Abschied drückte sie uns noch alle gerührt an ihre breite Brust und trug uns auf, auf der Rückreise auf jeden Fall wiederzukommen. Aufgekratzt und munter, eng aneinandergekuschelt, machten wir uns auf den Heimweg. Gott sei Dank waren wir nicht weit entfernt von unserem Hotel. Am Ende der Gasse über die schmale Bogenbrücke, dann um eine Ecke, war es jetzt rechts oder links gewesen?Wir bogen nach links ein, das war eine Sackgasse. Empört fauchten zwei Katzen auf, die wir beim Liebesspiel gestört hatten und stoben unter protestierendem Maunzen davon.“Da würde ich auch protestieren” lächelte Maria versonnen. Laut lachend drehten wir um und nahmen die entgegengesetzte Richtung, und wirklich nach ein paar hundert Metern, hinter einer Biegung tauchte unser Hotel auf.
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