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Oktober 2007
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Archive für 7.10.2007

Reflektionen

Du bist eine Frau, deren Lächeln

die Sonne aufgehen lässt,

und deren Augen wie ein Sternenhimmel

in tiefer Nacht funkeln und strahlen

Dante Aleghieri an seine Beatrice

Er seufzte tief, legte das Büchlein , mit dem vom häufigen Gebrauch verschlissenem Einband zur Seite. Komisch, dachte er, das hatte ein Mann vor mehr als siebenhundert Jahren geschrieben, und es drückte genau die Gefühle aus, die ihn momentan übermannten. „Vita Nuove” las er in fein gestochenen Buchstaben auf dem Deckel des Buches. Seit er denken konnte, hatte dieses Bändchen, aus feinem grün gehaltenem Ziegenleder gebunden und mit Goldornamenten auf dem Rücken verziert, sein Leben begleitet. Seit er denken konnte, nein natürlich nicht ganz solange. Jetzt erinnerte er sich, sein Großvater Valerio hatte es ihm kurz vor dem Abitur geschenkt. Valerio, er sah den alten Mann genau vor sich. Schon damals ging er gebeugt, immer im dunklen Anzug, den Kopf mit einem etwas zerschlissenen Strohhut bedeckt, die Straße, die vom Hof zur Trattoria führte hinab. Er lächelte, nahm das Bändchen noch einmal in die Hand, schlug die Verse auf, die ihm so viel bedeuteten, las sie im Dämmerlicht, das durch die staubigen Vorhänge gefiltert wurde und dachte an sie.

Eva, ciara, wo immer du jetzt sein magst, ich hätte mit dir gehen sollen. Ich konnte nie wieder eine Frau auf solch verzehrende Art lieben wie dich. Warum weiß ein Mann nicht, wohin er gehört. Sicher die Karriere war mir damals wichtig, und Eva, du hättest vieles nicht toleriert, manche meiner Gewohnheiten nicht akzeptiert. Ich habe meinen Weg gemacht, bin oben angelangt. War es das, was ich vom Leben wollte? Nun ich beginne zu begreifen, das Macht und Reichtum nicht alles ist. Das ohne die Liebe zu dir, die ich tief in mir vergraben hatte, die immer unter dem Deckel meines kontrollierenden Verstandes verborgen war, mein Leben keinen wirklichen Inhalt hatte. Man sprach mit Ehrerbietung von mir, manchmal fürchteten die Menschen mich auch, viele hatten Respekt vor meinen Worten, und sicher habe ich auch vielen Leid zugefügt. Ich habe die Macht genossen, die auf eine Geste von mir hin ausgeübt wurde. Und jetzt war ich alt, wie mein Großvater vor so vielen Jahren, stand am Ende meines Daseins. Mein Weg war gegangen, viele Spuren hatte ich hinterlassen, Dinge, die mir manchmal böse Träume bereiteten. Einmal noch werde ich diese Zeilen lesen, Bella Gioia, ein einziges Mal noch.

Du bist eine Frau, deren Lächeln

die Sonne aufgehen lässt,

und deren Augen wie ein Sternenhimmel

in tiefer Nacht funkeln und strahlen

Das Telefon klingelte, Leone war am Hörer, eine letzte Warnung, ein vergeblicher Aufruf zur Flucht. Zu spät, ich hatte die Schatten schon bemerkt. Ich wollte meinem Schicksal nicht entgehen, zu oft hatte ich das schon getan. Ich seufzte, legte die Verse auf die Platte meines schweren eichenen Schreibtischs, schaute auf meine silberne ziselierte Taschenuhr und blickte auf die Tür. Jeden Augenblick mussten sie kommen. Sie machten sich nicht die Mühe unbemerkt zu bleiben. Ich hörte das leise quietschen der Sohlen auf dem Marmorboden. Jetzt waren sie an der Tür zu meinem Büro angelangt. Splitternd flog die Tür aus den Angeln. Ich sah auf, hatte keine Angst mehr vor dem unvermeidlichen Ende. Ich hatte mit dem Leben abgeschlossen, war den falschen Weg gegangen. Eva, mi tesora, verzeih mir.

Gestern Nachmittag starb Don Sergio, einer der brutalsten Bosse der Mafia, unter dem Kugelhagel zweier Killer.

ENDE

 

Amys Kleiner Laden

Mit quietschenden Reifen hielt der Pickup vor dem kleinen Laden. Während Tommy der muskulöse schwarzhaarige Junge heraushüpfte, zündete der alte Jeremiah sich genüsslich eine Pfeife an. Tommy wischte sich die schweißnassen Hände an seiner engen verwaschenen Jeans ab, zupfte sein schwarzes, verschwitztes Collegeshirt zurecht und ließ die Ladeklappe herunter. Dann schnappte er sich die große Kiste, wuchtete sie auf seine kräftigen Schultern und stieß mit Ellenbogen und Hüfte die Ladentür auf. Aufschnaufend stellte er die grüne Holzkiste auf der Theke ab und schaute sich neugierig im Laden um. Er war heute das erste Mal in dem Städtchen. Der alte Jeremiah hatte ihn vorhin nur kurz gemustert und ihn dann als Handlanger eingestellt.
Plötzlich hörte er hinter sich eine dunkle Frauenstimme. Eine ältere Frau mit rundem, rosig angehauchtem Gesicht musterte ihn. Was sie sah, schien ihr zu gefallen. Er hatte nicht bemerkt, das sie hereingekommen war und zuckte heftig zusammen.
“Was sehe ich da, ein strammer Junge, der dem alten Jeremiah hilft? Wo ist der alte Krauter denn? Jeremiah hat sich bestimmt ein Pfeifchen angezündet und die Augen geschlossen. Du bist ganz schön schreckhaft. Ich will dich doch nicht gleich fressen” kicherte sie mit hochgezogenen Augenbrauen. Dabei glitten ihre Augen wieder neugierig über seinen ansehnlichen Körper und schienen jedes Detail aufmerksam in sich aufzunehmen.
„Lass sehen, was ihr mir heute bringt.“ Sie kratzte sich am Kopf, dann durchwühlte sie den Kisteninhalt und stellte alles auf die Theke, während sie vor sich hin murmelte
„Hmm, der Käse, sehr schön, die Lammkeule, der Schinken, Tomaten, Gurken, Kräuter, hmm.“
„Was ist mit Rosmarin und Thymian Jüngelchen? Hat der Alte wohl mal wieder vergessen,“ kicherte sie wieder.
Tommy schaute verlegen auf den Boden „Ich könnte noch einmal kommen, nachher, das macht mir nichts. Ich muss sowieso noch nach einem Zimmer schauen.“
„Das trifft sich gut,“ kicherte Amy, „lauf nur und hol die Kräuter. Ich plaudere noch ein wenig mit Jeremiah. Lauf nur, ich sag ihm schon Bescheid.“ Verlegen spürte Tommy, wie sie ihm den Hintern tätschelte, dann schlängelte er sich durch die Ladentür und lief, seinen Auftrag zu erledigen.
Amelie goss einen Schnaps ein und ging durch die Tür nach draußen, um mit dem alten Jeremiah zu plaudern.
Nach einiger Zeit schlüpfte Tommy völlig durchnässt wieder herein. Draußen peitschte der Regen an die Scheiben. Er schüttelte sich, Shirt und Jeans klebten wie eine zweite Haut am Körper. Amy musterte ihn aufmerksam, während sie ihn umrundete. „Du schaust aus, wie ein gebadeter Kater. Warte, sagtest du nicht, du suchst ein Quartier für die Nacht?“
Tommy nickte, dabei legte er die Kräuter auf die Theke.
„Ich lass dir ein heißes Bad ein, koche dir derweil einen Kräutertee, und dann legst du dich in die Wanne und wärmst dich auf. Zieh dich aus und leg mir deine Sachen vor die Badtür. Ich trockne dir deine Kleider und gebe dir für den Abend einen Bademantel. Ich zeige dir gleich mal dein Zimmer.“
Amelie fasste ihn am Arm und schob ihn durch die Hintertür eine schmale Treppe herauf. Dann zeigte sie ihm zuerst ein kleines Zimmer mit einem bequemen Bett darin.
„So zieh dich schon mal aus, ich lasse derweil das Wasser ein. Das Bad ist gleich über den Flur.“
Lachend betrachtete sie sein verlegenes Gesicht, das rot angelaufen war.
„Keine Angst Tommy, deine kleinen Geheimnisse interessieren mich nicht. Ich bin eine alte Frau. Aber ich gehe ja schon,“ lachte sie dann und strich ihm über den Kopf.
Nachdem sie das Zimmer verlassen hatte, zog er das T-Shirt über den Kopf, wand sich mühsam aus seiner engen Jeans und streifte Unterhose und Socken ab. Dann steckte er vorsichtig den Kopf durch die Tür und huschte splitternackt über den Flur ins Bad. Tommy meinte ein leises Lachen hinter sich zu hören. Vorsichtig stieg er in die Wanne und wärmte sich im heißen Schaumbad auf.
Amy stand unterdessen in der Küche und formte aus Teig ihre feinen Pasteten. Die Kräuter waren kleingehackt und die Lammkeule fein durchgedreht. Amy betrachtete den Schinken, den Jeremiah geliefert hatte, befühlte das Fleisch, schüttelte den Kopf und überlegte. Dann überzog ein Lächeln ihr rosiges Gesicht. Sie summte leise vor sich hin „Warte, warte nur ein Weilchen…..hihi“.
Dann nahm sie das große Fleischermesser vom Haken und stieg die schmale Treppe empor. Sie schlich über den Flur und öffnete vorsichtig die Tür zum Bad. Tommy döste in der Wanne. Er schien sie nicht hereinkommen zu hören.
Es dämmerte schon, als sie mit der gröbsten Arbeit fertig war. Sie wischte sich erleichtert den Schweiß von der Stirn. Jetzt wird es Zeit, die Pasteten zuzubereiten, dachte sie.
Wieder in der Küche nahm Amy den Schinken und entbeinte die saftige Keule, dann entfernte sie die Schwarte. Sie achtete sehr darauf, einen Teil der Fettschicht am Fleisch zu lassen. Das gab ihm die unvergleichliche Saftigkeit, die ihre Kunden so schätzten.
Erst schnitt sie das zarte Fleisch in Würfel, dann drehte sie es durch den Fleischwolf. Jetzt nahm sie sich den zweiten Schinken vor und verarbeitete ihn auf die gleiche Weise. Dann wurde das Hackfleisch gesalzen und gepfeffert und mit reichlich Kräutern gewürzt.
Sie füllte das Schinkenfleisch in eine Hälfte, der von ihrer Tochter vorbereiteten Pasteten, ebenso das Lammfleisch in die restlichen Pasteten, bestreute alle mit reichlich geriebenem Käse und schob die Bleche in den vorgeheizten Ofen. Bald durchzog ein unbeschreiblich köstlicher Duft die Backstube.
Gähnend betrat ihre Tochter Wendy die Backstube. „Kann ich noch was helfen, Mom?“
„Hast du das restliche Fleisch in den Kühlraum gebracht? Schau noch mal, ob das Bad sauber ist, wisch am besten noch mal drüber. Ach und nimm den Schinken, den Jeremiah geliefert hat, vom Tresen. Der ist ein wenig zu zäh, den werde ich räuchern.“
Das Telefon klingelte in aller Herrgottsfrüh. Jeremiah erkundigte sich besorgt.
„Hast du Tommy nicht gesehen Amy? Er sollte heute früh um sechs da sein, um mir bei den Auslieferungen zu helfen.“
„Tommy? Nein, ich habe ihn nicht mehr gesehen. Ist das der stramme Bursche, der mir gestern die Lieferung hereingebracht hat? Du wirst ihn die ganze Arbeit allein aufgehalst haben, Jeremiah. Das wird ihm zu viel geworden sein. Ich muss jetzt Schluss machen, die Kunden warten schon. Es gibt wieder die köstlichen Schinkenpasteten, ganz frisch. Soll ich dir ein paar aufheben?“ Dann legte sie den Hörer auf.

Ende

Gestern inn Kroog

 Jichtenswann för´n por dag, ik set mit Hinnerk un paar annere Buern in Krog.

De Kröger spendiert en Lage Köm un we snackt so dies en dat

As de Hinnerk batsch vun heirooten snackt

Ik sech bist mal, Hinnerk du un freen, bis brägenklöterig?

Din niegen Früündin, de lütt seut dochter vun de Nahwersch

Pat up Hinnerk man suutje un sinnig

De Longhoorden sin plietsch un viggelinsch